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Neufunde

Überraschenderweise gibt es trotz der Differenzen bei der Berechnung der Reserven einen relativ breiten Konsens darüber, wie viel Öl noch da ist, und zwar zwischen 1000 und 1100 Gigabarrel. Die Schlüsselfrage, d. h. der Punkt, an dem Optimisten und Pessimisten unterschiedlicher Meinung sind, betrifft den Umfang der noch zu entdeckenden Reserven.

Diagramm R3 zeigt, das die Neufunde von Öl seit den 1960ern konstant weniger geworden sind. In Diagramm D1 wird anhand der ASPO-Daten deutlich, dass die Rate der Neufunde in der Zukunft vermutlich (und wie bisher von gelegentlichen Ausreißern unterbrochen) weiter absinken wird. Diese Daten werden von den Optimisten in Frage gestellt.

Neufunde

D1. Neufunde (über 3 Jahre gemittelt - bisherige und zukünftige) **

Die BP-Statistiken enthalten keine Prognosen über Neufunde, aber solche Vorhersagen wurden anderswo gemacht. Colin Campbell, einer der Mitglieder von ASPO, schätzt die Menge des noch zu entdeckenden Öls auf 130 GB (weniger als fünf Jahre Reichweite bei derzeitigen Verbrauchsraten). Aber man wird diese Ölmengen kaum alle auf einmal entdecken. Wie Diagramm D1 zeigt, ist ein Abfall der Neufundrate von 6 Gigabarrel pro Jahr auf Null über die nächsten fünfzig Jahre zu erwarten.

Ein Beispiel für den von der Ölindustrie vertretenen Optimismus ist ein Vortrag, den Wolfgang Schollnberger, Technology Vice President von BP, bei der International Petroleum Week im Februar 2002 hielt. Er schätzte seinerzeit, dass noch 500 Gigabarrel zu finden seien, und weitere 280 Gigabarrel durch verbesserte Fördermethoden. Die schwindelerregende Höhe dieser Zahl von 780 Gigabarrel begreift man am erst dann, wenn man bedenkt, dass sämtliche im Nahen Osten vorhanden Reserven im BP-Statistikbericht auf 100 Gigabarrel weniger geschätzt werden!

Aber selbst, wenn Schollnbergers Zahlen korrekt sind, bedeutet dies nicht das Ende aller Sorgen. Wie bereits erwähnt, werden die Ölreserven nicht alle auf einmal gefunden. Wenn wir die genannte Menge auf 50 Jahre verteilen, ergeben sich 15,5 Gigabarrel pro Jahr. Wenn wir bedenken, dass der Verbrauch sich auf 27 Gigabarrel pro Jahr beläuft und weiter ansteigt, würde selbst diese massive (und unwahrscheinliche) Aufstockung der Reserven den Niedergang nicht beenden, sondern nur etwas verlangsamen. Vom Neufund bis zum Produktionsbeginn eines großen Offshore-Ölfelds vergehen ungefähr fünf Jahre, bei einem Ölfeld an Land ungefähr drei. Selbst wenn wir also in Zukunft enorme Mengen neuer Ölvorräte finden, müssen wir erst jahrelang die vorhandenen Reserven aufbrauchen, bevor die neuen Funde in Produktion gehen können. Wir haben einfach nicht genug Zeit, um zu warten.

Denkanstoß: Saudi-Arabien verfügt über die höchsten Ölreserven der Welt, laut BP-Statistikbericht 262,7 Gigabarrel (ungefähr doppelt so viel wie der Irak, das Land mit den nächsthöheren Reserven). Selbst wenn wir neue Ölquellen im Umfang der saudischen Reserven fänden, würde dies die statische Reichweite um nicht mehr als zehn Jahre verlängern!

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Fallbeispiel USA

Für diejenigen, die unerschütterlich an die Fähigkeit der Wissenschaft glauben, durch neue Fördermethoden und neue Fundmethoden die Reservenreichweite entscheidend verlängern zu können, bietet das US-Kernland (also die 48 zusammenhängenden Staaten ohne Alaska und Hawaii) ein lehrreiches Beispiel. Dort beschäftigt man sich schon länger als irgendwo sonst mit der Entdeckung und Förderung von Öl, seit 1895 nämlich, und in keiner anderen Weltregion wurden in für diesen Zweck vergleichbare finanzielle und technische Anstrengungen unternommen. Wenn irgendjemand der Erschöpfung von Ölvorräten entgegentreten könnte, dann dieses Land. Was wirklich geschehen ist, können Sie dem folgenden Diagramm mit den US-Produktionszahlen entnehmen. Die dortige Ölförderung erreichte 1971 ihr Maximum und ist seitdem beinahe ohne Unterbrechung gefallen. Dreißig Jahre immer höherer Investitionen an finanziellen und technischen Mitteln haben diesen Niedergang weder verlangsamen noch umkehren können. Warum also sollte es der Welt insgesamt besser gehen?

Produktion (US-Kernland)

D2. Produktion (US-Kernland)

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Die Fundkurve: ein wichtiges Instrument

Eines der nützlichsten Werkzeuge für die Abschätzung des Ölfördermaximums ist die Fundkurve, d. h. die grafische Darstellung der kumulierten Öl-Neufunde über die Zeit. Der gesunde Menschenverstand verrät uns, dass man kein Öl fördern kann, solange es nicht gefunden wurde - wenn also die Zahl der Neufunde zurückgeht, nimmt letzten Endes auch die Förderrate ab.

Im Gegensatz zur Produktion, die in Abhängigkeit von externen Faktoren wie Kriegen, Rezessionen und internen OPEC-Vorgaben variieren kann, ist bei den Neufunden eine gewisse Regelmäßigkeit zu erkennen. Die eigentlichen Funde geschehen eher regellos, wie in Diagramm D1 zu sehen, aber wenn man die kumulierten Neufunde über die Zeit verfolgt (D4), ergibt sich eine wesentlich glattere und aussagekräftigere Kurve. Bei steigender Neufundrate ist diese Kurve konkav, bei fallender Neufundrate konvex. Der Punkt, an dem die Kurve ihre Ausrichtung ändert (der Wendepunkt) entspricht dem Fördermaximum.

Beispiel für kumulative Kurve

D3. Beispiel für kumulative Kurve

Kumul. Neufunde & Produktion (Welt)

D4. Kumul. Neufunde & Produktion (Welt)

Die Produktionskurve nimmt in etwa denselben Verlauf wie die Fundkurve - mit einer Phasenverschiebung, die von Land zu Land variiert. Beim US-Kernland trat beispielsweise eine Phasenverschiebung von 41 Jahren auf, während die Förderung in der Nordsee wegen der massiven Förderanstrengungen und der besseren Technologie eine Phasenverschiebung von nur 25 Jahren zeigte. Die weltweite Phasenverschiebung wird auf 36 Jahre geschätzt.

Bis jetzt ist die weltweite Produktion steigend, d. h. die Kurve ist konkav. Ein Vergleich mit der Fundkurve deutet darauf hin, dass sich die Produktionskurve am Wendepunkt befinden könnte.

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Alternative Energiequellen

Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass der Rückgang der Ölförderung durch irgendwelche neue Großfunde abgewehrt kann, aber vielleicht haben Sie schon von anderen Ölarten gehört, etwa schwerem Rohöl oder Teersanden. Und was ist mit Erdgas und Kohle? Bis jetzt habe ich mich vor allem auf konventionelles Öl konzentriert, um das komplizierte Thema so einfach wie möglich zu halten. Aber ich behandele auf einer anderen Seite (Alternative Energiequellen) auch andere Arten der Energiegewinnung.


** zeigt aktualisierte Daten für 2008 an

 

Inhalt

Fallbeispiel USA

Die Fundkurve: ein wichtiges Instrument

Alternative Energiequellen

 

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