Die Neufunde von Ölverkommen sinken seit den 1960ern (mit einigen Ausreißern) konstant ab. Wir haben also immer mehr Öl verbraucht und immer weniger gefunden, und trotzdem sind die Reserven angestiegen. Diagramm R4 zeigt außerdem, dass wir seit 1980 ans Eingemachte gehen, weil wir pro Jahr mehr verbrauchen als neu gefunden wird. Wie ist das zu verstehen? Ein Problem besteht darin, dass es keinen allgemein akzeptierten Standard für die Angabe der erwiesenen Reserven gibt. Einige Länder, etwa die USA, verwenden Minimalwerte, andere (z. B. die frühere Sowjetunion) geben Maximalwerte an, die meisten nennen P50-Schätzwerte (siehe Erwiesene Reserven auf der Seite mit Fachjargon). Die veröffentlichten Zahlen werden außerdem oft durch politische Einflüsse verzerrt. Ein Land möchte möglicherweise je nach Zielpublikum der Veröffentlichung einen optimistischen bzw. vorsichtigen Eindruck erwecken und könnte daher je nach Kontext andere Zahlen angeben. Erntekurven ("Creaming-Kurven")Auf der Suche nach einer besseren Methode zur Abschätzung von Reserven bevorzugen einige Geologen die sogenannte Erntekurve, auch "Creaming-Kurve" genannt, weil die ersten Bohrlöcher in der Regel die größten und am einfachsten zu erschließenden Felder treffen - den besten Teil der Ernte oder auf Englisch "the cream of the crop". Diese Technik wurde von Shell eingeführt, dabei werden die kumulativen Neufunde gegen die Explorationsaktivitäten (die kumulative Anzahl der Aufschlussbohrungen) aufgetragen. Eine Aufschlussbohrung ist eine spekulative Ölbohrung auf Gelände, dessen Förderpotenzial nicht bekannt ist. Eine Ölbohrung ist nicht billig, daher zeigt eine wachsende Zahl von Aufschlussbohrungen normalerweise an, dass es schwieriger wird, Öl zu finden. Bei einer Erntekurve wird die Gesamtmenge des gefundenen Öls gegen die Gesamtzahl der Aufschlussbohrungen aufgetragen. Anfangs lassen sich normalerweise große Mengen an Öl mit relativ wenigen Bohrungen finden, die Lagerstätten sind also groß und leicht zu finden. Im Lauf der Zeit werden mehr Aufschlussbohrungen benötigt, um Öl zu finden, aber die Erträge verringern sich. Der Vorteil bei dieser Sichtweise ist, dass der Zeitfaktor aus der Gleichung herausfällt und Abschwächungen oder Steigerungen der Explorationsaktivitäten keinerlei Auswirkungen haben. Die Erntekurve stellt einen Gradmesser dafür dar, wie einfach es ist, Öl zu finden. Der resultierende Graph besteht aus einer oder mehreren Hyperbeln, die für die Abschätzung der Gesamtmenge des ursprünglich vorhandenen Öls verwendet werden können. R5. Beispiel für eine Erntekurve Jean Laherrère, ein erfahrener Ölgeologe, beschäftigt sich seit längerem mit der Aufstellung von Erntekurven, und es sind diese Kurven, zusammen mit der Idee der "Rückdatierung" von Reserven, aus denen die Zahlen für die Reservenmengenangaben der ASPO gewonnen werden. Hierzu Colin Campbell:
Jean Laherrère hat außerdem ein Diagramm aufgestellt, bei dem er als Grundlage diese technischen Daten statt der von den einzelnen Ländern gemeldeten Reservemengen verwendet (R6). Es unterscheidet sich auffällig von den BP-Daten (Diagramm R2). Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass wir seit 1980 mehr Öl verbrauchen als wir entdecken, erscheint sein Diagramm wesentlich realistischer. R6. Erwiesene Weltreserven nach Laherrère Der große Reserven-Coup der 80er JahreWas hat es mit dem erstaunlichen Anstieg der Ölreserven auf sich, der in den 1980er Jahren vermeldet wurde? (Siehe Diagramm R2.) War das ein echter Anstieg, oder handelt es sich um einen Fehler? Oder um einen cleveren Coup? Wenn Sie auf die letzte Möglichkeit tippen, haben Sie vermutlich recht. Wenn man die gemeldeten Reserven (aus derselben Quelle) für eine Reihe von Ländern untersucht, fällt einem ein seltsamer Umstand sofort ins Auge. R7. Der sprunghafte Reservenanstieg Beachten Sie, wie die von einigen Ländern gemeldeten Reserven (basierend auf deren eigenen Daten, nicht auf denen unabhängiger Kontrolleure!) in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre plötzlich mehr oder weniger sprunghaft ansteigen, während die Reserven anderer Länder keine erkennbare Änderung bei ihren Entwicklungstrends zeigen. Beachten Sie auch, um welche Länder es sich dabei handelt: Saudi Arabien, Iran, Irak und Venezuela. In der Tat haben die OPEC-Staaten mit den größten Reserven alle den jeweiligen Gesamtumfang erhöht, ohne dass entsprechende größere Neufunde getätigt wurden. Woran liegt das? Der Grund besteht darin, dass die OPEC-Förderquoten für die jeweiligen Mitglieder seit dieser Zeit auf der Grundlage der erwiesenen Reserven zugewiesen werden. Je höher die Förderquote, desto mehr Geld lässt sich natürlich verdienen, es gab also einen enormen Anreiz, die Reservenzahlen nach oben hin "anzupassen". Kuwait fing damit 1984 an, die meisten anderen folgten 1987 (Saudi Arabien erst 1989). Und selbst ohne Berücksichtigung der Zahlensprünge in den 1980er Jahren machen die Entwicklungslinien für Saudi Arabien, Irak und Iran im Diagramm R7 schon allein deshalb einen verdächtigen Eindruck, weil sie über längere Zeiträume hinweg kaum Änderungen aufweisen, obwohl kontinuierlich Öl gefördert wurde. Scheinbar hat sich ein magisches Fass im Boden aufgetan, das immer den gleichen Inhalt hat, wie viel man auch entnimmt. Obwohl in den 1980er Jahren vermutlich eine Anpassung der Zahlen erforderlich war, dürfte sie sich realistischerweise kaum im genannten Bereich bewegen. Der große OPEC-Reserven-Coup illustriert auf eindringliche Weise, wie wenig man sich auf gemeldete Reserven verlassen kann. Und nicht alle der angewandten Tricks sind so offensichtlich wie dieser.
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